LIEBER LEBEN

 

Über Psychotherapie ist viel geschrieben worden. Viele Schulen haben viele verschiedene Denkansätze hervorgebracht und Methoden entwickelt, die einander ähneln, einander widersprechen oder sich ergänzen. Manches ist geradezu genial im Konzept, aber langwierig und schwerfällig in der Praxis, anderes ist elegant als Technik, aber nicht philosophisch durchdacht. Vieles aber ist erprobt und bewährt und als gesichertes Wissen in verschiedenen Methoden vorhanden.

 

Im Laufe meiner psychotherapeutischen Arbeit über viele Jahre, habe ich gelernt, die Scheuklappen abzulegen und angeregt durch Vorbilder, das zu tun, was hilfreich ist, egal aus welcher Schule es stammt. So kommt es, dass manche meiner Klienten und Klientinnen auf der Couch liegend assoziieren und dabei freier werden, offen zu sprechen und andere mir gegenüber sitzen und ich das deutlich ausspreche, was mir auffällt.

 

Jeder Mensch geht seinen eigenen, ganz persönlichen Weg durchs Leben und hat ein Recht darauf, das zu tun. Psychotherapie führt zur Bewusstheit, dass dem so ist und zum Bewusstsein darüber, was für ein ganz persönlicher und individueller Weg das ist, den er oder sie geht oder gegangen ist. Manche Menschen wurden durch verschiedene Umstände wie Erziehung, Manipulation, Gewalt oder einem Schicksal von dem Weg abgedrängt, den sie eigentlich gehen wollten und leiden daran, die Quellen ihrer Lebendigkeit nicht mehr zu spüren. Dann gleicht Psychotherapie einer Spurensuche nach dieser verschütteten Lebendigkeit, die uns vielleicht nur noch verschlüsselt durch Träume, Sehnsüchte oder leidvolle Symptome erreicht. oftmals führt diese Spurensuche auch durch die Täler erlittener Schmerzen oder erlittenen Unrechts und es müssen unter grosser Anstrengung alte Steine und Balken aus dem Weg geräumt werden, um weitergehen zu können.

 

Ich begleite in meiner pschotherapeutischen Arbeit Menschen auf diesen mühevollen, ängstigenden, aber auch befreienden Wegen. Ich gehe dabei nicht voran und nicht hintendrein, es ist ja der alleinige Weg dieses Menschen, aber wir sprechen darüber, durch welche Landschaft er führt, ob es ein guter und richtiger Weg ist, ob es ein Ziel auf diesem Weg gibt und über das Licht am Horizont. Den Kompass hat der Klient und die Klientin selbst in der Hand, aber ich achte darauf, dass er oder sie ihn auch benutzt. Wie lange diese Reise dauern wird, weiss ich nie im voraus. Aber ich weiss, dass es sich lohnt, den eigenen Weg zu beschreiten.

                                                                                         

 

                                                                                  Cornelia Kunert

 

 

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